Verfasst von: jungewetzlarergegenrechts | März 22, 2010

Schöner Wohnen ohne Nazis Konzert Rückblick

Unter diesem Motto luden die Jungen Wetzlarer gegen Rechts am Freitag, 5.3., in ihr temporäres “Wohnzimmer” im Franzis: mit einer gemütlichen Sofaecke vor echt kitschigen Stehlampen und psychedelischen Tapeten, zusammengeklaubt aus den 50er bis 70er Jahren. Neben der Getränketheke des Franzis gab es leckeres fleischloses Chili. Dementsprechend heimelig und solidarisch war die Atmosphäre. Allerdings nur bis die Künstler die Bühne eroberten.

Mr. Fog machte in Bademantel und Perücke mit eigens geschriebenem Text über die Eigenheiten und Alltags”gestaltung” von Neo-Nazis im Stakkato den Anfang. Daraufhin stürmte die HipHop-Combo “KAO & Kew ” die Bühne und brachte das Publikum in Stimmung.
Black Shadow Revival konnten daran mit fetzigem Rock’n'Roll nahtlos anschließen.
Beim Oi-Punk der Bembel Bois aus Gießen, die noch kurzfristig dazu gestoßen waren, machten die ersten Reihen die Oberkörper frei und fanden sich spontan Background-Mädels und Fans auf der Bühne ein.
Routinierten Hardcore brachten Business As Usual auf die Bühne. Die fünf Mitglieder gaben auf der Bühne alles und zwischen den Songs brachte der Sänger immer wieder ernsthafte Ansagen gegen Nazis und für den Widerstand gegen Faschismus und Rechtsextremismus.
Es war eine ausgelassene Party, auf der die unterschiedlichsten Menschen gemeinsam miteinander feierten und ein deutliches Zeichen gegen den braunen Stumpfsinn setzten.
Das Franzis war bei einem Fassungsvermögen von 200 Leuten bis auf den letzten Winkel ausgelastet, so dass trotz der eisigen Temperaturen nochmals gut 80 Leute davor Party machten.
Das Multi-Kulti-Konzept der Jungen Wetzlarer gegen Rechts ging voll auf!

Im Vorfeld des Konzerts gab es noch ein Ereignis, das die Stimmung trübte. Da es schon zweimal zuvor Farbattacken gegen Kultureinrichtungen gab, in denen am folgenden Abend eine Veranstaltung gegen Rechts stattfinden sollte, wurde auch diesmal damit gerechnet. Allerdings nicht damit, dass es nicht die Kultureinrichtung treffen sollte und nicht mit diesem Ausmaß: Ein Privathaus einer Familie wurde in Wetzlar mit einem Brandsatz angegriffen. Unbekannte fuhren anscheinend mit dem Auto vor, warfen den Brandsatz gegen die Haustür und verschwanden unerkannt. Zum Glück entdeckten die Nachbarn das Feuer und konnten es zusammen mit der betroffenen Familie löschen. Es gab keine Verletzten, doch mit weniger Glück wäre der Familie selbst eine Flucht aus dem Haus unmöglich gemacht worden.

Deshalb geht ein Teil der eingenommenen Spenden an die vom Brandanschlag betroffene Familie. Während des Konzertes fand noch eine spontan organisierte Demonstration aus Entrüstung über den Brandanschlag statt. Ca. 120 Menschen liefen in einem friedlichen Zug durch die Altstadt. Dank des großen Polizeiaufgebotes war die ganze Nacht kein Neo-Nazi zu sehen.

Danke an alle, die durch ihre Unterstützung dieses Konzert möglich gemacht haben. Danke an alle SpenderInnen. Keinen Fußbreit den Faschisten! Jetzt erst recht!


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